
Ameisen im Winter
Das Wissen um die Lebensweise von Ameisen während der Wintermonate stellt eine entscheidende und überlebenswichtige Information im Kontext der Ameisenhaltung dar. Denn nur bei einer artgerechten Unterbringung der Insekten während der kalten Jahreszeit ist eine gesunde Entwicklung des Ameisenstamms gewährleistet.
Tiere, die Schnee, Eis und Frost nicht vertragen, suchen in der kalten Jahreszeit einen geschützten Ort auf, an dem sie eine Ruhephase einlegen. Diese Verhaltensweise ist auch bei mittel- und südeuropäischen Ameisen zu beobachten. Im Winter suchen die Insekten tief unter der Erde Zuflucht in ihrem Winternest. Im Vergleich zum oberirdischen Ameisenbau ist es im Erdreich wärmer, da das Erdreich weniger schnell auskühlt als das oberste Erdreich, unter anderem Tannennadeln und Zapfen.
Die Königin sowie die Arbeiterinnen versammeln sich am tiefsten Punkt des Baus und verfallen in die Winterstarre. Ihre Bewegung ist stark eingeschränkt und ihr Stoffwechsel ist nahezu zum Erliegen gekommen. Im Gegensatz dazu zeigen tropische Ameisen im Winter ein anderes Verhalten: Aufgrund des in ihren Ursprungsländern vorherrschenden konstant warmen Klimas ist die Einleitung einer Ruhephase nicht erforderlich.
Es sei darauf hingewiesen, dass eine Ruhephase für die Ameisen während der Wintermonate gewährleistet sein sollte, sofern diese in menschlicher Obhut gehalten werden. Für mittel- und südeuropäische Arten wird empfohlen, diese in der kalten Jahreszeit an einem kühlen Ort unterzubringen. Als ideal kann ein Ort mit Temperaturen zwischen 0 und 10 Grad Celsius für mitteleuropäische Arten und für südeuropäische Arten kann ein Ort zwischen 15 und 18 Grad bezeichnet werden. Eine zu niedrige Temperatur ist jedoch zu vermeiden, da die Insekten im Formicarium weniger vor Kälte geschützt sind als im Winternest in der freien Natur.
Um konstante Temperaturen zu gewährleisten, besteht die Möglichkeit, die Insekten beispielsweise im Kühlschrank oder im Keller unterzubringen. Es ist von entscheidender Bedeutung, dass die Kolonie nicht in den Frostbereich, d. h. unter null Grad Celsius, kommt und die Tiere auch während der Winterruhe über eine adäquate Feuchtigkeitszufuhr verfügen. Des Weiteren ist darauf zu achten, dass den Tieren jederzeit sauberes und frisches Wasser zur Verfügung steht, da dies für ihr Überleben von essenzieller Bedeutung ist. Es wird empfohlen, die Parameter mindestens einmal pro Monat, besser alle zwei Wochen, zu kontrollieren.
Die Vergangenheit hat gezeigt, dass das Austrocknen während der Winterzeit, trotz zahlreicher Hinweise, bei vielen Einsteigern mit verschiedensten Ameisenarten zum Verhängnis geworden ist. Die Ameisen sind in diesen Fällen lediglich aufgrund von Feuchtigkeitsmangel bzw. Wassermangel eingegangen. Eine Zufütterung während der Winterruhe ist nicht erforderlich und wird von den Tieren auch nicht angenommen. Für mitteleuropäische Arten wird eine Kühlhaltung von Oktober bis März, für südeuropäische Arten von November bis Februar empfohlen. Bei tropischen Arten kann die Haltung hingegen bei Zimmertemperatur fortgesetzt werden.
Anleitung Umzug der Ameisen
Es ist von essenzieller Bedeutung, dass die Ameisenkolonie selbstständig und ohne Zutun des Halters aus dem Transportbehälter (Reagenzglas oder Transportbox) auszieht und in die neue Umgebung übersiedelt. Dies gewährleistet, dass die Tiere, die eventuell vorhandene Brut und Eierpakete beim Umzug ebenfalls aus dem Transportbehältnis entnommen werden können.
Es sei darauf hingewiesen, dass die Umsetzung der Ameisenkolonie in ein neues Habitat einen gewissen Zeitraum in Anspruch nehmen kann. Geduld ist daher eine wesentliche Tugend des Halters. In der Anfangsphase kann es dazu kommen, dass die Tiere den Eingang zum Reagenzglas, gegebenenfalls mit Materialien, wieder verschliessen. Dieses Verhalten ist als normal zu betrachten.
Für die Tiere stellt der Transportort ihr momentanes Zuhause sowie der Gründungsort des Staats, das Nest der Kolonie, einen Ort der Sicherheit dar. Der Zeitraum, der für den Umzug erforderlich ist, kann einige Tage bis mehrere Wochen betragen.
Ameisen zeigen eine ausgeprägte Neigung, sich an Orten anzusiedeln, die ihnen zusagen, wobei diese Präferenzen sich von denen des Halters unterscheiden können. Es ist daher kontraproduktiv, die Tiere mit einer Pinzette aus dem Röhrchen zu entfernen oder herauszuholen. Ein nicht freiwilliger Umzug bedeutet für die Tiere einen hohen Stressfaktor, der im schlimmsten Fall zum Tod der gesamten Kolonie innerhalb weniger Tage führen kann.
Ihr Rolf Kathriner – Ameisenhaltung Schweiz